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  Crap Furo 16.11.2018 09:50 (UTC)
   
 
Crap Furò: Der löchrige Fels in der Mitte Graubündens

60 Meter hoch ragt der Crap Furò oberhalb von Surava steil und gleichzeitig filigran in die Höhe. Eine Kluft spaltet die Platte bis zum Fuss und formt fast zuoberst ein 2 Meter grosses Loch. Crap Furò ist romanisch und heisst „löchriger Fels“. Löchrig ist die imposante Erhebung nicht nur in der Kluft. Wind und Wetter haben den Felsturm aus Rauwacke, einer Kalkart, in Jahrtausenden geformt und eine zerfurchte, raue Oberfläche hinterlassen.

Messerscharfer Fels

Der Crap Furò steht nur wenige Meter neben dem geografischen Mittelpunkt Graubündens. Die spektakuläre Nadel fasziniert Kletterer schon lange. Bereits in den 1930er-Jahren wagte vermutlich das bekannte Dolomiten-Kletterpaar Hans Steger und Paula Wiesinger die Erstbesteigung. Holzkeile und Schlingen dieser Erstbesteigung sind bis heute im Felsen zurückgeblieben. Eine Nachahmung ist nur geübten Bergsteigern zu empfehlen (Schwierigkeitsgrad V+, A1). Die Route ist ausgesetzt und kaum abgesichert, der Fels zum Teil messerscharf. Gemütlicher zu geniessen ist der Crap Furò von der Aussichtsplattform des Pfads der Pioniere oder vom nahegelegenen Rastplatz.

Die Erstbesteigung: "Auf den Schultern stehend"

Über die Erstbesteigung gibt es widersprüchliche Angaben. Einige Quellen sprechen davon, dass Paul Steger und seine Partnerin Paula Wiesinger die Nadel zuerst erklommen haben. Henry Hoek beschreibt in seinem 1934 erschienenen "Berg- und Wanderbuch Davos" hingegen, dass Steger zusammen mit Hilfe von "meinem Freund P. L. Edwards" und Hoek selber den Crap Furò bestiegen habe:

"Ein einziger Haken in 4 Meter Höhe hält - alle anderen wollen nicht packen. Mit Stahl ist nichts zu wollen: Zu tief und zu breit ist der Riss." ... "Die nächsten zwei Stunden sahen uns beschäftigt aus hartem und zähem Föhrenholz Keile zu schnitzen und Seilenden daranzuknoten für die Karabiner. Abermals steigt Steger ein. Und es zeigt sich, dass die Keile ganz prächtig halten. Aber es braucht für fast jeden halben Meter einen."

Nach vier Stunden sind die Keile verbraucht, Steger bricht die Besteigung ab.

"Wir fahren nach Chur, übernachten und lassen schöne Hartholzkeile beim Schreiner und lange Eisenhaken beim Schlosser fertigen."

 

 

 

Zwei Tage später:

"Die neuen Buchenkeile bewähren sich grossartig und schon nach einer Stunde ist das untere, kleinere Loch erreicht. Darüber hinaus aber geht es trotz aller Versuche nicht. Also durch das Loch!  Dieses aber ist so eng, dass erst verschieden Felsecken abgeschlagen werden müssen, bevor der Durchschlupf möglich ist."

Beim Fenster unterhalb des Spaltbeginns stockt die Kletterei erneut:

"Zuerst muss der Spalt durch einen Holzkeil verschlossen werden. Auf Edwards Schultern stehend macht sich Steger an die Arbeit. Nach vielen Versuchen sitzt endlich ein Keil."

Nach 10 Stunden anstrengender Kraxelei erreicht Steger als einziger den Gipfel. Die Besteigung ist nicht unbemerkt geblieben:

"In Surava unten im Tale standen sie stundenlang auf der Landstrasse, mit schützender Hand über den Augen, mit alten Feldstechern und dem Zeiss unseres Wagenlenkers. Sie starrten hinauf zum Crap und genossen jede Einzelheit des Kampfes."

Download:

Broschüre Pfad der Pioniere (PDF, 2 MB)

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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